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Fortsetzung "Die Hexe im Hegdorn" 

Zu Zeiten wohnte die Hexe auch in „Aletsch“. Sie pflegte vertrautere Bekanntschaft mit einem Stridel, der in „Birgisch“ zu Hause war. Wenn sich nun diese Verliebten Besuche machen wollte, so nahmen sie die Gestalt von schwarzen Raben an und flogen so zusammen. Diese Raben sah man darum oft auf- und abfliegen, wie noch in heutigen Tagen, nur mit dem Unterschiede, dass damals solche Raben Hexen und Stridel waren, jetzt aber nur noch gewöhnliche Vögel.

Unsere Hexe hasste unter solchen Umständen ihren frommen Mann sehr; konnte ihm aber nie was Leides zufügen. Da geschah es, dass die Hexe in Aletsch sich Suppe kochen wollte. Sie setzte Pfanne und Butter aufs Feuer und erinnerte sich eben, dass sie noch keinen Knoblauch zur Hand hätte. Schnell eilte sie nach Naters hinab, und holte sich das nötige Kraut in einem Garten. Als sie auf der Rückreise nach Blatten kam, sah sie ihren verhassten Mann eben auf einem Baume schwarze Kirschen lesen. Als Rabe flog sie gleich auf die Spitze des Kirschbaumes und sandte ihrem aufblickenden Manne – er hatte zum Unglück eben unterlassen, zu Mittag den englischen Gruss zu beten – Kot in die Augen herab, dass er blind vom Baume stürzte und starb. Die Hexe aber ging nach Aletsch zurück und kochte ihre Suppe ruhig fort.

Da ging dann doch der wohlweisen Obrigkeit die Geduld aus. Die Hexe wurde eingefangen und angeklagt wegen des häufigen Rabenfluges und des Mordes an ihrem Manne in Blatten, während sie in Aletsch Suppe kochte. Vermutlich hat sie auf der Folter alle diese Verbrechen eingestanden, denn der Richter verurteilte sie nach damaligen Strafrechte zum Scheiterhaufen. Die Sünderin wurde im Hegdorn verbrannt, wo man die Richtstätte noch jetzt „Hagsch-Schädji“ heisst.

Arme Hexe; wenn du wirklich eine warst und das leisten konntest, weswegen man dich verbrannte, warum stiegst du nicht wieder als Rabe auf und spottest der Weisheit damaliger Gerechtigkeitspflege?

Quelle aus Walliser Sagen:
Pfarrer Moritz Tscheinen / Domherr Peter Joseph Ruppen, Druckerei Schmid – Sitten 1872

Jahrhunderte später hat der Skiclub Belalp zu Ehren des Mannes diese Hexenabfahrt ins Leben gerufen. Aus überlieferten Quellen starb der Mann auf dem Kirschbaum im heutigen Zielraum in Blatten.

Noch heute suchen schnelle Hexen mit Skier und Stöcken, sowie langsame Hexen mit Besen zwischen Hohstock und Blatten, die Wahrheit dieser Wallisersage.


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